TOP Ö 9.2.3: Ergebnis des begrenzten Wettbewerbs "Umfeld St. Bartholomäus" in Köln-Porz-Urbach

Beschluss: Kenntnis genommen

Anlass für die Auslobung des begrenzten Wettbewerbs

 

Das Kirchengrundstück an St. Bartholomäus in Köln-Porz-Urbach steht nach Westen zur Frankfurter Straße hin auf deutlich höherem Geländeniveau. Dieser Geländeversprung wird durch eine meter­hohe Stützmauer gefasst. Aufgrund von Salzeinwirkung hat diese Mauer erhebliche Schäden und muss abgebrochen werden. Auch die Bestandsgebäude aus den 1960er Jahren sind stark sanierungsbedürftig. Daher soll der bestehende Pavillon des Pfarrbüros abgebrochen werden und das Pfarrbüro in das alte Pfarrhaus neben die Kirche umziehen. Aufgrund dieser Bauaufgaben ergibt sich die Chance einer zukunftsweisenden und zeitgemäßen Neuordnung des Kirchenumfelds. Hierfür hat die Kirchengemeinde Christus König einen nicht-offenen, anonymen Realisierungs- und Ideenwettbewerb nach RAW 2004 für Architekten in Arbeitsgemeinschaften und Landschaftsarchitekten durchgeführt. Sieben Arbeitsgemeinschaften wurden zur Teilnahme eingeladen. Die folgenden Büros haben sich hieran beteiligt:

-         LK Architekten, Köln, mit club L94 Landschaftsarchitekten, Köln;

-         Ulrich Böttger Architekt, Köln, mit Knüvener Architekturlandschaft, Köln;

-         Ute Piroeth Architektin, Köln, mit urbane gestalt johannes böttger landschaftsarchitekten Köln;

-         Architekturbüro Rosiny, Bergisch Gladbach, mit Engel Landschaftsarchitekten, Köln;

-         Bösl+Eck Architekten, Köln, mit FSWLA Landschaftsarchitekten GmbH, Düsseldorf;

-         BeL Sozietät für Architektur, Köln, mit Urban Catalyst Studio, Berlin.

 

Aufgabenstellung für die Mehrfachbeauftragung

 

Der Untersuchungsbereich gliedert sich in zwei Abschnitte, einen Realisierungs- und einen Ideenteil:

 

Im Realisierungsteil ging es vor allem um die Neufassung des Höhensprungs zur Frankfurter Straße und die damit verbundene Neuordnung der Freiflächen rundum die Kirche. Die gegebenenfalls notwendigen, kleineren baulichen Maßnahmen im alten Pfarrhaus neben der Kirche durch den Umzug des Pfarrbüros und die Einrichtung der Pfarrwohnung in das Obergeschoss waren mit Ausnahme der Klärung einer barrierefreien Eingangssituation nicht Gegenstand des Wettbewerbs.

 

Im Ideenteil des Wettbewerbs untersuchten die Arbeitsgemeinschaften die städtebaulichen Potenziale der gesamten kirchlichen Liegenschaft und des städtischen Strukturkonzepts, das der Weiterentwicklung des Standorts langfristig zugrunde gelegt werden kann.

 

Ergebnis der Mehrfachbeauftragung:

 

Das Preisgericht hat sich am 08.11.2013 eingehend mit allen Arbeiten befasst und der Ausloberin die Arbeit von LK Architekten, Köln, mit club L94 Landschaftsarchitekten, Köln, als Grundlage für die weitere Bearbeitung empfohlen:

 

"Den Entwurfsverfassern gelingt mit wenigen und angemessenen Mitteln ein ebenso eindrucksvoller wie funktionaler Entwurf. Die Kirche erhält durch die großzügige Treppenanlage einen adäquaten Aufgang und wird als Mittelpunkt des religiösen Lebens in Urbach dadurch ihrer Bedeutung und Funktion gerecht. Zentrales Element ist dabei eine multifunktionale, höhengestaffelte Fläche an der Südseite des Kirchengebäudes. Die Verfasser schlagen eine repräsentative, südwärts orientierte Freitreppe vor, die sich nach Osten mit dem ansteigenden Gelände verschleift. Dies ermöglicht einen weichen und fließenden Übergang zwischen Verkehrs- und Bewegungsflächen einerseits sowie zum südlichen Kirchvorplatz andererseits. Zur Frankfurter Straße hin öffnet sich der Kirchplatz an der Südwest-Ecke bewusst einladend.

Die neu gestaltete Überwindung des Höhensprungs stellt sich dabei nicht als "Rampenanlage" dar, sondern vielmehr als selbstverständlicher, großzügiger verkehrsfreier und barrierefreier Bestandteil des Wegesystems im Quartier.

Die daran anschließende südlich orientierte Freitreppe bietet zahlreiche Aufenthalts- und Sitzgelegenheiten. Städtisches Leben und Gemeindeleben können sich hier verzahnen. Die neue bauliche Fassung der Kirche bietet vielseitige Möglichkeiten der Aneignung durch städtisches Leben.

Bestehende Bäume im Verlauf der Ost-West-Durchwegung werden mit Baumtrögen erhalten. Sie gliedern den Freiraum und lenken den Blick.

Die Westkante zur Frankfurter Straße hin wird durch eine Sichtbetonwand mit Perforationen im Brüstungsbereich präzise definiert. Überarbeitungsbedürftig erscheint die Ausformung des nördlichen Treppenaufgangs am alten Pfarrhaus.

Eine präzise Baumkante definiert den Freiraum auf der Seite des Chores. Die zwischen der Kirche und dieser Kante vorhandenen Stellplätze (des Hospizes) werden zugunsten eines wenig überzeugenden "Kirchgartens" aufgegeben und auf die Nord-seite der Kirche verlegt.

Auch die Nordseite der Kirche wird überzeugend in die Gestaltungsüberlegungen einbezogen. Die Durchquerbarkeit korrespondiert mit dem Grundkonzept, "rund um die Kirche" Freiflächen zu schaffen, die eine vielseitige Aneignung erlauben. Die unterschiedlichen pfarrlichen Anforderungen an den Außenraum werden aus Nutzersicht insgesamt berücksichtigt. Allerdings fehlt aufgrund der Anlage des "Kirchgartens" im Chorbereich eine größere zusammenhängende nutzbare Freifläche. Auch ein Standplatz für den Christbaum und das Osterfeuer wurden von den Verfassern nicht ausgewiesen.

Im Ideenteil wird eine Hofkonzeption mit zentraler Grünfläche vorgeschlagen. Nordseitig grenzt die allseitig baumgefasste, und beruhigte Parkplatzfläche an, auf der zukünftig alle kirchlichen und öffentlichen Stellplätze übersichtlich angeordnet werden. Aus den bisherigen Straßen und Parkplätzen entsteht so eine wirkliche Platzfläche.

Das neue Pfarrheim wird in schlüssiger Weise als Gelenk zwischen neuem Pfarrhof, "Kirchgarten" und dem Platz "Am Leuschhof" angeordnet. Die Grünfläche im Zentrum des Pfarrhofs wird, trotz seiner offenen Zugänglichkeit, den angestrebten Nutzungsanforderungen in angemessener Weise gerecht.

Die Körnigkeit der baulichen Ergänzung im Ideenteil entspricht der Maßstäblichkeit des Stadtraums und fügt sich ein. Eine Genehmigungsfähigkeit nach § 34 BauGB erscheint möglich. Der Nachweis der erforderlichen Stellplätze ist noch zu erbringen."

 

Ausblick:

 

Die Ausloberin beabsichtigt, das Ergebnis des Realisierungswettbewerbes zeitlich gestaffelt um­zusetzen. In einem ersten Schritt wird die Stützmauer aufgrund ihres hohen Sanierungsbedarfs erneuert. Die weiteren Umsetzungsschritte erfolgen sukzessiv.

 

 

Die Bezirksvertretung Porz nimmt die Mitteilung der Verwaltung zur Kenntnis.