TOP Ö 9.2.4: Brand in der Shell Rheinland Raffinerie Wesseling am 10.05.2015

Beschluss: Kenntnis genommen

Am Sonntag, den 10.05.2015 kam es gegen 14.20 Uhr zu einem Brand in der Shell Rheinland Raffinerie in Wesseling. Zuständig sind neben der Werkfeuerwehr Shell die örtlich zuständige Feuerwehr Wesseling und der Rhein-Erft-Kreis.

Die Feuerwehr Köln wurde um 14:20 Uhr von der Leitstelle des Rhein-Erft-Kreises über den Vorfall informiert (Meldestufe D1 für den Rhein- Erft- Kreis, keine Gefahr für Köln. D 1 bedeutet ein Ereignis im Werk, bei dem eine Gefahr außerhalb des Werkes objektiv nicht besteht, aber von der Nachbarschaft bei verständiger Abwägung für gefährlich gehalten werden kann.). Um 15:03 Uhr lag eine Meldung über eine Erhöhung auf die Meldestufe D2 für den Rhein- Erft- Kreis vor, keine Gefahr für Köln. (D 2 bedeutet ein Ereignis, bei dem eine Gefährdung außerhalb des Werkes nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann). In der Kölner Leitstelle erfolgte daraufhin eine erste Lageeinschätzung mit dem Ergebnis, dass das Kölner Stadtgebiet zu diesem Zeitpunkt nicht betroffen war. Grundlage für diese Einschätzung ist ein etabliertes Verfahren, bei dem mit Hilfe einer Schablone („Halpaapsche Keule“), der Ereignisort und der vorherrschenden Windrichtung auf einer Karte eine Abschätzung über möglicherweise betroffenen Bereiche getätigt wird.

Trotz dieser Abschätzung wurde im weiteren Verlauf ein Einsatzleiter für den Umweltschutz (BvA-U, Beamter des gehobenen Dienstes) an die südliche Stadtgrenze entsandt, um mögliche Auswirkungen auf das Kölner Stadtgebiet zu erkunden.

Um 16.02 Uhr lag bei der Berufsfeuerwehr Köln eine Meldung über die Erhöhung der auf die Meldestufe D3 für den Rhein- Erft- Kreis vor, keine Gefahr für Köln (D 3 bedeutet das bedeutet ein Ereignis, bei dem eine Gefährdung außerhalb des Werkes bereits eingetreten oder wahrscheinlich ist). Deswegen fuhr ein weiterer Einsatzleiter (BvA 3, Beamter des gehobenen Dienstes) in die Werkseinsatzleitung der SHELL nach Wesseling, um sich über Art und Umfang des Schadenfeuers und die eingeleiteten Maßnahmen zur (betrieblichen) Gefahrenabwehr zu informieren. Er traf dort auf einen Führungsstab, bestehend aus Kräften des Werkes sowie der Feuerwehr Wesseling. Eine Unterstützung im Werk zur Bekämpfung des Feuers durch die Feuerwehr Köln war weder angefordert noch erforderlich.

Aufgrund des klaren Wetters konnte die steil aufsteigende Rauchsäule aus weiter Entfernung gut wahrgenommen werden. Hinzu kam, dass in verschiedenen Orten außerhalb Kölns Sirenen ausgelöst wurden. Sowohl Medienvertreterinnen und Medienvertreter als auch besorgte Bürgerinnen und Bürger riefen deswegen in der Leitstelle der Feuerwehr Köln an und erkundigten sich über die Rauchentwicklung und mögliche Auswirkungen auf das Kölner Stadtgebiet. Allen Anrufern wurde mitgeteilt, dass es sich um einen Vorfall in Wesseling handelt und das Kölner Stadtgebiet nicht betroffen ist. Die Bandansage des Bürgertelefons der Feuerwehr Köln (Rufnummer: 0700 0221 1111) wurde mit folgender Nachricht besprochen: „Bei der Firma Shell Wesseling ist es zu einem Schadensereignis gekommen mit einer weithin sichtbaren Rauchsäule. Das Stadtgebiet Köln ist derzeit nicht betroffen.“

Im Nachhinein betrachtet wäre in diesem Fall eine Pressemitteilung mit dem Text der Bandansage des Bürgertelefons hilfreich gewesen und hätte die Anzahl von Rückfragen der Medien in den folgenden Tagen  vermutlich minimiert.

Da die Feuerwehren in den angrenzenden Kreisen (Rhein-Sieg-Kreis und Rhein-Erft-Kreis) Messungen im Umfeld des Werkes durchführten, wurde von der Feuerwehr Köln ebenfalls Messungen in den südlichen Stadtteilen durchgeführt. Die Messfahrzeuge der Feuerwehr Köln fuhren vorgeplante Messpunkte in den Stadtteilen Godorf, Libur und Porz-Langel an. An diesen Stellen konnten die Einsatzkräfte jedoch weder einen auffälligen Geruch feststellen, noch konnten sie mit den Messgeräten Schadstoffe in der Luft nachweisen. Der nur schwache Wind führte dazu, dass die Rauchwolke lokal verweht wurde, nahezu senkrecht aufstieg und sich in höheren Ebenen schnell verdünnte.

Im weiteren Verlauf des  Tages unterstützte die Analytische Task Force (ATF) der Feuerwehr Köln die Feuerwehr Wesseling außerhalb der Stadtgrenzen von Köln bei ihrem Messeinsatz. Die Werkfeuerwehr der Shell Rheinland Raffinerie Wesseling forderte später noch die Beleuchtung-seinheit der Freiwilligen Feuerwehr Porz-Langel an, um während der Abendstunden Teile der Einsatzstelle auszuleuchten.

Da nach dieser umfassenden Erkundung und fortlaufenden Beurteilung der Situation eine Gefährdung für die Kölner Bevölkerung ausgeschlossen werden konnte, wurde auf Warnungen mittels Sirenen oder Radiodurchsagen verzichtet. Diese Einschätzung hat sich auch im Nachhinein als richtig erwiesen.